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Weblog von Maria Herrmann

»Wir müssen jetzt auf jeden Fall erst mal raus…!« – Ein Ekklesiolab

  • Veröffentlicht am: 15 August 2017
  • AutorIn: Maria Herrmann

Vor wenigen Wochen waren große Teile Niedersachsens durch anhaltenden Regen, ansteigenden Grundwasserpegel und aus dem Flussbett tretende Gewässer betroffen. Auch in Hildesheim hinterließen die Fluten beträchtlichen Schaden, und sorgten dafür, dass Bereiche der Stadt evakuiert werden mussten. Normalerweise ist man bei länger anberaumten Veranstaltungen in einem Tagungshaus isoliert. Die gewohnten Nachrichten-Routinen mit Tageszeitung beim Frühstück, Online-News-Portalen beim eMails-Abrufen und die Nachrichtensendung im Fernsehen am Abend entfallen. Doch das war Ende Juli anders: Wir waren mit unserem Ekklesiolab im Tagungshaus Priesterseminar in Hildesheim zu Gast. Zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit veranlasste uns das regnerische Wetter noch dazu, bei den Mitarbeiterinnen des Tagungshauses etwas mehr Sonne und das Ende des Regen einzufordern. Das sei ja schließlich in ihrer Verantwortung. Doch die Scherze gingen uns spätestens dann aus, als Sirenen vor den Türen der Einrichtung auf die Situation in der Stadt aufmerksam machten. Mehr und mehr war ganz Hildesheim vom Hochwasser bedroht, das war ab dem zweiten Tag im Minutentakt bis in die nächtlichen Stunden zu hören. Das Ekklesiolab war damit nicht nur inhaltlich und methodisch ein Experiment, sondern durchbrach somit auch die sonst so massive Tagungsisolation. 

Während wir im letzten Jahr mit unseren beiden Blockveranstaltungen zum FreshX Kurs und einer MultiplikatorInnenschulung zu neuen Lernorten im Bereich Fresh Expressions of Church noch thematisch Schwerpunkte im Bereich Gemeindegründung und missionale Kirchenentwicklung gesetzt hatten, waren wir in diesem Jahr vor allem daran interessiert, mit dem Ekklesiolab ein neues Format auszuprobieren, und damit die zu bearbeitende Inhalte der Veranstaltung bewusst bei der Vorbereitung nicht zu bestimmen. Entstanden ist diese Idee vor allem deshalb, weil immer wieder in Begegnungen und Gesprächen zu hören ist, dass man doch mal »mehr Zeit« bräuchte um dieses Thema oder jene Frage zu vertiefen, sie in den Diskurs zu stellen und damit zu reflektieren. Es mangele nur an den entsprechenden Gelegenheiten, Zeiten und Orten dafür. Dazu passiert es häufig, dass nach Workshops, Konferenzen und Vorträgen die unbändige Ahnung zurückbleibt, dass die Menschen mit denen man es eben noch zu tun hatte, selbst so viele eigene Erfahrungen haben die nur selten angemessen zur Geltung kommen können. 

Inspiriert war das Format Ekklesiolab auch von den Erfahrungen unserer W@nder-Konferenz im vergangenen Februar: Wie weit muss das Design einer Zusammenkunft und die Moderation selbiger, also die Inszenierung, das Kommunikationsdesign wenn man so will, auch die inhaltlichen Perspektiven wiedergeben? Muss nicht das Reden über z.B. Partizipation eben auch jene selbst maximal ermöglichen? Ganz zu Beginn unserer Arbeit (damals noch als Kirchehoch2 Projektstatus innehatte und viel Fahrtwind vom Kongress 2013 mitgenommen hatte), hatten wir es einmal mit Barcamps versucht, die ja in einer ähnlichen Linie stehen: Inhalte bestimmen diejenigen die als Teilnehmende gleichzeitig zu Teilgebenende werden. (Warum dies (noch) nicht funktioniert hat kann man hier nachlesen.) In diesem Jahr wollten wir diesen Grundansatz noch einmal bewusst ausprobieren und so entstand die Idee zum Ekklesiolab

Methodisch haben wir uns an etwas orientiert, das – es mag ungewöhnlich erscheinen – aus der Software-Entwicklung kommt und den Namen *Scrum* trägt. Scrum ist ein Begriff beim Rugby, der das Gedränge der Spielerinnen und Spieler in ihrer Taktikbesprechung vor dem nächsten Spielzug beschreibt. Sie kommen zusammen, verteilen die Aufgaben, gehen wieder auseinander und jede oder jeder arbeitet auf seiner Position und eigenständig auf der Basis der ausgeklügelten Strategie. Dementsprechend geht es beim Scrum als »Moderationstechnik« und Arbeitsweise darum, komplexe Aufgabenstellungen in kleinteilige Aufgaben zu unterteilen, diese auf kleine Haftnotizen zu konkretisieren und in unterschiedliche Kategorien (in Planung | in Arbeit | erledigt) auf einer Wand transparent zu machen, und alle Bewegungen (von in Planung zu in Arbeit) transparent zu machen. Bei höher werdenden Anforderungen für Teams zum Beispiel bei der Programmierung von Webseiten oder anderen digitalen Produkten wird diese Herangehensweise gerne verwendet. Etwas mehr dazu kann man zum Beispiel bei futur2 nachlesen, und auch bei dem Projekt »Initiative Gemeinwesendiakonie« im Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers werden interessante Erfahrungen damit gemacht. 

Letztlich ist es vielleicht gar nicht so wichtig, wie das nun konkret und im Detail vor sich ging: Wir hatten vor allem das Anliegen, Methode und Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass die Fragen und Ideen der Teilnehmenden in diesen Tagen zum Tragen kommen und es wird sich von Kontext zu Kontext auch in Zukunft anders darstellen, die Komplexität der unterschiedlichen Erfahrungen ansichtig und anwendbar zu gestalten. Auf diese konkrete Weise jedoch konnten wir, nach einem ausreichenden und vielfältigen Kennenlernen der Gruppe, Fragen und Visionen sammeln aus den Bereichen des Theologie-Studiums, der Jugendkirchen, unterschiedlicher Haupt- und Ehrenamtlicher Arbeit in Kirchgemeinden, oder in der Multiplikatoren-Arbeit verschiedener Kontexte in der Kirche. Die einzige Vorgabe, die wir bei dieser – auch ökumenischen – Vielfalt machten, hatte den Sinn, eine Art »Anpack« zu finden für die Unterschiedlichkeit der Themen: Dieser bestand darin, dass sich die Teilnehmenden zu Beginn für ein Medium entscheiden mussten, in das die gemeinsame Arbeit münden sollte: 1. In eine Veröffentlichung (schriftlich oder in einer anderen Form), 2. in einer Art Methode, Spiel oder Intervention oder 3. in eine Form von gottesdienstlichem, liturgischen oder spirituellen Format (Text o.ä.). Dementsprechend ergab sich die Farbe der Klebezettel auf dem Board, das beim »Scrum« die Haftnotizen sammelt und kategorisiert, so dass für eine ausreichende Übersichtlichkeit gesorgt wurde. Diese Einteilung sollte schließlich eine Fokussierung ermöglichen und dafür sorgen, am Ende der Woche mit einem Ergebnis, einem Produkt, einem (Zwischen-)Fazit abreisen und weitergehen zu können. Eingebettet war das Ekklesiolab (neben den obligatorischen Essens- und Ruhezeiten) in Gebetszeiten, die durch eine einfache Form des Stundengebets (»Lichtteilchen-Liturgie«) geprägt waren und damit das geistliche Fundament der Arbeitswoche darstellte. So fand sich das Ekklesiolab zwischen den großen Arbeitseinheiten in kleineren Gruppen am Vor- und Nachmittag immer wieder als große Gruppe gemeinsame Zeiten zum Essen, zum Austausch und zum Gebet in der beeindruckenden Seminarkirche. 

Wir gehen nach dem Ekklesiolab bestärkt in der Idee weiter, dass ein Schüssel für Kirchenentwicklung darin liegt, die Erfahrungen ernst zu nehmen, die bereits gemacht werden. Das mag zunächst platt klingen, dennoch glaube ich, dass die Beteiligungs-, Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten, aber auch die entsprechenden Reflexionsschleifen dazu noch nicht ausgereift und ausgebaut sind. Daran wollen wir in Zukunft weiterarbeiten. Wo kommen die Fragen zu Geltung, die sich bereits schon die eine oder der andere stellt? Wo werden schon Antworten gelebt, von denen an vielen Stellen noch keine Ahnung besteht? Daran schließt sich an: Wie können wir eine Kultur einüben, die es möglich macht, dass solche Formate in der Kirche auch an Orten stattfinden können, die von weniger Freiwilligkeit geprägt sind. Alle Teilnehmenden beim Ekklesiolab wussten, dass die eigenen Themen und Fragen dort Platz haben werden. Dass sie TeilgeberInnen und Teilgeber an den Prozessen sein würden. Dass die Methode daraufhin ausgelegt ist, diese Dinge zusammen zu tragen. Wie funktionieren vergleichbare Methoden ohne diese Energie? 

Ein anderes Fazit allerdings, war mir bislang nicht ganz so präsent, und dabei rückt wieder das überschwemmte Hildesheim in den Blick und eine Aussage, die ich während einer der Gruppenarbeiten wörtlich so aufgeschnappt habe: »Wir müssen jetzt auf jeden Fall erst mal raus…!« Was für eine Statement: Wenn man den Raum eröffnet und die Zeit gibt frei Theologie zu treiben, kann (!) das auch (!) bedeuten, erst mal auf die Straße zu gehen. Weg vom Schreibtisch, raus aus der Bibliothek. Auch wenn und vor allem, weil dort gerade (ein bisschen) das Chaos herrscht und zumindest gefühlt die Welt untergeht. Die Sirenen waren deutlich zu hören. Dass der für die Woche begleitende Bibeltext mit Gen 1-2,3, für den wir uns in der Vorbereitung entschieden haben, genau davon erzählt, dass aus dem Wasser und dem Chaos etwas Neues entsteht, mag diesen Befund unterstreichen. 

Ein paar Tweets und Bilder haben wir im Storify zusammengefasst. 
Hier kann man einen Teil der Erträge nachlesen.

Orientierung: 

Auf nackten Sohlen

  • Veröffentlicht am: 14 July 2017
  • AutorIn: Maria Herrmann

Da stand ich nun – barfuss, ziemlich von den Socken und vor mir eine Menge Menschen, die ein paar kluge, letzte Worte erwarteten. Es war ein ungewöhnliches Gefühl am Ende unser W@nder-Konferenz im Februar: 100 Teilnehmende waren unserer Einladung als Veranstalterinnen gefolgt, und vor diesen hatten wir nun das Schlusswort. Die Geschichten der einzelnen Menschen, die da zusammengekommen waren, hatten mich sprichwörtlich die Schuhe ausziehen lassen. Die kleine Kneipp-Liturgie tat ihr übriges, und so standen wir auf nackten Sohlen am Mikrophon. Zeigten sichtbar mehr Haut als üblich – und mehr Verwundbarkeit.

Wir hatten ehrliche 24 Stunden miteinander verbracht, viel voneinander gelernt, obwohl und gerade weil viele unterschiedliche Erfahrungen zusammenkamen. Einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltung finden Sie hier, eine Social-Media-Dokumentation an dieser Stelle. Doch die Frage nach dem Fremd sein in der Kirche, die den Kern der Konferenz ausmachte, erzeugte und erzeugt bis heute – auch bei Kirchenleitenden – eine heilige Unruhe, die sich nur schwer fassen lässt. Schon der als Save-the-Date gemeinte Blogartikel hatte viele Rückmeldungen erzeugt, die Veranstaltung selbst war binnen weniger Wochen ausverkauft. Im Kern der Aussage verwandte Blog-Artikel mehren sich an anderen Orten: »Ich gehe nicht gerne in den Gottesdienst« und »Pasti oder Antipasti?«.

Parallel zu den Vorbereitungen der Konferenz haben wir dann auch an einem Buch gearbeitet, das die Fremde in der Kirche als Charisma bearbeiten sollte. Heute Morgen habe ich noch einmal nach den Anschreiben gesucht, mit denen ich auf die Autorinnen und Autoren zugegangen bin – es ist ziemlich genau ein Jahr her, doch die Fragestellung ist eine fundamentale – sie wird uns noch eine ganze Weile begleiten: Wie kommt das Neue und Erneuernde in das System Kirche, und wie gehen wir damit um, wenn es vielleicht schon da ist – nur ganz anders, als wir es uns immer vorstellen? Wenn gerade in denen eine heilige Ungeduld zu Tage tritt, die an allen Ecken und Enden der Kirche (aus guten Gründen) anstoßen. Wenn die Rede von der mission-shaped church, von der Kirche die sich von ihrer Sendung her formt mit diesem »gift of not fitting in« eine Grunddynamik vorzuweisen hat? Wenn die Fremde in der Kirche eine missionale Ahnung ist?

Nun erscheint in der nächsten Woche unser Buch. Zusammen mit Sandra Bils verantworte ich die Herausgeberschaft. Sie können es zum Beispiel über die Seite des Verlags oder bei Ihrem Buchhändler vor Ort unter der ISBN [978-3-429-04403-9] bestellen. »Vom Wandern und Wundern« ist gewissermaßen eine (nicht »die«!) Essenz unserer Arbeit bei Kirche² – eine ökumenischen Bewegung der letzten 4 Jahre. Unzählige Kilometer auf Bahnstrecken, unzählige Tassen Kaffee und noch mehr ehrliche und barfüssige Gesprächs-Augenblicke kommen darin zusammen. Zwölf Aufsätze von 13 Autorinnen und Autoren und ein Nachwort von Christina aus der Au erzählen von dem Gefühl der Fremde und davon, wie sie schon heute erleben, dass sich darin das Neue und Zukünftige der Kirche zeigen will. Es gäbe noch viele weitere Geschichten zu erzählen, vom Wandern und Wundern, und natürlich auch darüber hinaus. Doch für den Moment ist es das, was wir in Bar-Herzigkeit teilen können.

 

Orientierung: 

W@nder. Eine Konferenz in den Social Media

  • Veröffentlicht am: 17 February 2017
  • AutorIn: Maria Herrmann
Am vergangenen Dienstag und Mittwoch fand w@nder statt: Eine Konferenz für Pionierinnen und Pioniere – 24h rund um das Fremd sein in der Kirche. Hier finden Sie einen Überblick über diese Veranstaltung aus den Rückmeldungen, Fragen und Impressionen in den Social Media. 
 
 
 
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Orientierung: 

Fresh X Netzwerk e.V. gegründet

  • Veröffentlicht am: 6 February 2017
  • AutorIn: Maria Herrmann

Nach ein paar ruhigen Wochen, die es uns ermöglicht haben, das doch sehr dichte vergangene Jahr zu reflektieren geht es in diesen Tagen Schlag auf Schlag: Während wir nun in der heißen Phase der Vorbereitung für unsere Pionierkonferenz w@nder in der nächsten Woche stecken, stand für das vergangene Wochenende ein wichtiger Termin in unseren Kalendern: Der alljährliche Runde Tisch des FreshX Netzwerk Deutschlands.

Neben verschiedenen anderen Bewegungen und Impulsen in der Landschaft der Kirchenentwicklung sind die Fresh Expressions of Church und die zugrundleliegende Ekklesiologie der Mission-Shaped Church seit Jahren Inspiration und Erfahrungsschatz für Kirche². Eine der Wurzeln von Kirche² waren erste Reisen zu diesen Aufbrüchen – aus dieser Reisegemeinschaft vor 10 Jahren hat sich schließlich die Bewegung gebildet, die 2012/13 in den Kongress mündete. Daher ist es uns seit jeher ein Anliegen mit anderen in Deutschland, Reflexion und Erfahrungswerte in Bezug auf diese englische Bewegung zu teilen. So sind wir seit Gründung Mitglieder am Runden Tisch Fresh X. Da wir als Kirche² selbst keine juristische Entität besitzen, tun wir das als jeweilige Delegierte von Landeskirche und Bistum. Wir sind damit ein Teil des Runden Tisches Fresh X neben anderen Landeskirchen und Werken, und schätzen den Austausch über Entwicklungen und Perspektiven.

Am vergangenen Wochenende trafen sich in Hannover etwa 45 Menschen, deren Anliegen es ist die Idee der Fresh Expessions of Church auch in der deutschen Kirchenlandschaft zu vermitteln. In diesem Jahr galt es allerdings, sich nicht nur zu beschäftigen mit dem was sich in den letzten Monaten entwickelt hat, den inhaltlichen Erkenntnissen der letzten Zeit und dem was an künftigen Terminen ansteht, sondern es wurde etwas grundsätzlicher: Mit der Gründung eines Vereines, dem Fresh X Netzwerk e.V. ging die Bewegung in die nächste Runde. Wir freuen uns als Delegierte von Evangelisch-Lutherischer Landeskirche Hannovers und Bistum Hildesheim Teil dieses logischen nächsten Schrittes gewesen zu sein und sind gespannt, was mit dieser Organisationsform nun alles möglich sein wird.

Hier die offizielle Pressemitteilung, dort ein paar Informationen mehr. 

 

Kirche in Bewegung: Fresh X wächst weiter und gründet Verein

Am Samstag, 4.2.2016 wurde der Verein „Fresh X - Netzwerk e.V.“ von 23 Kirchen, Verbänden und Werken gegründet

Schon seit 2011 gestalten mehr als 20 Landeskirchen, Freikirchen, Bistümer, Werke, Organisationen und Ausbildungsstätten das ökumenische und deutschlandweite Fresh X - Netzwerk. Am Samstag, 4. Februar 2017 wurde nun der Verein „Fresh X -  Netzwerk e.V.“ gegründet. Die 23 Mitglieder möchten in noch höherer Verbindlichkeit eine vielfältige und erfrischende Kirche fördern. Prof. Dr. Michael Herbst, Direktor des Instituts zur Forschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung betont, dass mit dem Verein keine starre Institution gegründet wurde:

„Der neue Verein ist ein Hoffnungszeichen. Fresh X gründet mit diesem Verein keine starre Institution, sondern gestaltet weiterhin eine lebendige Bewegung. Die 23 verschiedenen Partner bleiben zusammen und festigen ihre Zusammenarbeit. So unterschiedlich sie auch sind: Allen geht es darum, dass Gemeinden den Mut finden und die nötigen Fertigkeiten erlernen, um in „neue" Lebenswelten aufzubrechen und mit anderen Menschen eine „frische" Gestalt christlicher Gemeinschaft zu entwickeln.“

Die Vertreter des neuen Vereins sind sich darin einig: Nur im gelebten Miteinander der Ökumene kann die Kirche der Zukunft gestaltet werden. In der Präambel der Satzung formulieren sie das Ziel des Vereins:

„Inspiriert von der englischen Fresh X – Bewegung fördert das Fresh X - Netzwerk alle neuen Ausdrucksformen gemeindlichen Lebens, die missional, kontextuell, lebensverändernd und gemeindebildend sind. Unter einer Fresh X verstehen wir dabei eine neue Form von Gemeinde für unsere sich verändernde Kultur, die primär für Menschen gegründet wird, die noch keinen Bezug zu Kirche und Gemeinde haben. […] Das Fresh X - Netzwerk verfolgt die Vision einer Kirche in vielfältiger Gestalt. Bestehende Ortsgemeinden und neue Fresh X stehen nicht in Konkurrenz, sondern sind verschiedene, sich ergänzende Ausdrucksformen, durch die das eine Reich Gottes heute Gestalt gewinnen will.”

Maria Herrmann, Referentin in der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim und eine der Leiterinnen von Kirche2 – eine ökumenische Bewegung ergänzt:

„Ich hoffe, dass wir mit der Vereinsgründung einen Beitrag dazu leisten können, die Frage nach der Mission in einer angemessen und achtsamen Weise auch für Deutschland wieder zu eröffnen. Und dass wir sie damit auch als dezidiert ökumenisches Thema begreifen lernen.“

Prof. Dr. Tobias Faix, Professor für Praktische Theologie an der CVJM-Hochschule bezeichnet die Vereinsgründung am vergangenen Samstag als „historischen  Moment mit hoffentlich nachhaltigen geistlichen Auswirkungen.“

Für weitere Fragen stehen zur Verfügung:

Pfarrerin Birgit Dierks

Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste

Referentin für missionarische Gemeindeentwicklung

Birgit.Dierks@diakonie.de

Tel. 030-652111-087

Mobil: 0172-5822332

Reinhold Krebs

Evangelisches Jugendwerk Württemberg

Referent für Junge Gemeinden und Fresh X

reinhold.krebs@ejwue.de

Tel. 0711-9781-275

Mobil: 0177-5644673

Orientierung: 

Der schmale Grat

  • Veröffentlicht am: 26 October 2016
  • AutorIn: Maria Herrmann

Der schmale Grat zwischen Erfolg und Scheitern eines Projekts wird einem in einer besonderen Weise bewusst, wenn viel Herzblut in der Sache steckt. Mit der w@nder Konferenz machen wir seit paar Wochen eine dieser Erfahrungen:

Im Vorfeld der Veröffentlichung der Veranstaltung standen Fragen im Raum wie die, ob wir mit dem Thema der Konferenz überhaupt etwas ansprechen, das andere auch betrifft, angeht, interessiert. Ob wir da nicht zu sehr von unserer eigenen Biographie kommen. Ob das eine Idee ist, die zum falschen Zeitpunkt kommt in den Ungleichzeitigkeit sich verändernder Volkskirchen.

Als wir damit begonnen haben, über Facebook und Twitter, aber auch hier im Blog und bei Workshops und Vorträgen von unserer Idee zu erzählen, veränderten sich jedoch unsere Fragen.

Die ersten Rückmeldungen waren nicht in der Fülle überwältigend, sondern zunächst in der Intensität: Mit dem Skizzieren unserer Grundidee hätten wir zum ersten Mal Worte für ein Gefühl vermittelt, das schon lange beschäftigt und mit den wenigen Sätzen zur Vorstellung der Konferenz ein »Lebensthema« angesprochen.

Dies machte uns sehr schnell bewusst, dass sich der Erfolg unseres Wanderns auf dem schmalen Grat des Gelingens unserer Konferenz nicht nach ausverkauften Tickets, Livestream-Klicks, »Keynotes mit Impact« oder Teilnehmendenzahlen messen lassen würde.

Wir müssen uns auf dem Bergrücken der Vorbereitung eine vielleicht sogar grundlegendere Frage stellen, als die nach der Relevanz, nämlich: Wie gestaltet man einen Tabu-Bruch? Wie gehen wir mit den Erwartungen der Teilnehmenden und Akteure um? Wie können wir das bisweilen und an einigen Stellen existentielle Thema der Fremdheit in der Kirche angemessen, sensibel und achtsam angehen? Und wie können wir im Vorfeld klar kommunizieren, was so eine Veranstaltung überhaupt »leisten« kann – und was sicherlich nicht.

Es kam doch wieder anders: Eigentlich wollte ich diesen Blogartikel schon vor Tagen veröffentlichen und dafür nutzen noch ein paar Dinge zur Konferenz zu erklären. Ihre Zeiten zum Beispiel: Dass wir am 14. Februar am späten Nachmittag beginnen und so auch am 15. Februar enden. (Nicht nur) weil im Vorfeld eine thematisch ähnlich angelegte Konferenz beim ZAP in Bochum stattfindet und somit auch deren Teilnehmende die Chance haben sich bei uns zu beteiligen. Und ich wollte auch von Dingen erzählen, die wir planen, damit sich mehr Leute überhaupt etwas vorstellen können und sich anmelden. Oder eben bewusst nicht anmelden. Mit jedem Tag veränderten sich Fragestellungen, Ideen zur Konferenz und eben auch die Anmeldezahlen zur Veranstaltung.

Seit vergangenen Freitag sind wir nun ausverkauft.
Alle Plätze für w@nder. Eine Konferenz für Pioniere sind belegt.

Und das, ohne genaue Details online gestellt zu haben. Ein bisschen erinnert uns das alles an die Zeit vor dem Kongress 2013, der unserer Bewegung einen Namen gab. Auch hier waren wir sehr früh von der Resonanz überrascht worden. Nehmen wir das als hoffnungsvolles Zeichen und Motivation.

Es ergibt leider auch keinen Sinn hier in Aussicht zu stellen, dass sich das Kontingent der Tickets vergrößert. Die Location hat ihre natürlichen (und rechtlichen) Grenzen und weil sie ein inhaltlicher Teil unseres Konzeptes ist, wir mit ihr. Alleine das Eintragen in eine Liste für eventuelle Nachrücker ist noch möglich.

Aber: Die Frage nach der Relevanz hat sich damit scheinbar erübrigt. Es ist was dran an der Rede vom gift of not fitting in. Es sind nicht nur unsere Biographien. Und es gibt ein Tabu von der Fremde in der eigenen Kirche.

Ich nehme dankbar wahr, dass jetzt eine Zeit gekommen ist, darüber ins Gespräch zu kommen. Ich bin mir sicher, dass uns das Thema weiterhin beschäftigen kann (!). Ich hoffe, dass es ein Anfang ist. Und ich würde mich freuen, wenn sich an anderen Orten in anderen Formen andere Menschen in diesen Diskurs auch eintragen. Ich kann an dieser Stelle nur andeuten, dass wir ebenfalls an weiteren Formen des Diskurses arbeiten.

Bleiben wir im Gespräch oder viel mehr noch: Fangen wir damit an!

Orientierung: 

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