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»Laboratorium Kirche«

  • Veröffentlicht am: 21 October 2016
  • AutorIn: Maria Herrmann

Folgende Pressemitteilung zu unserem Studientag »Church in the City« im Spannungsfeld von Kirchen- und Stadtentwicklung ist am gestrigen Tage erschienen. Gerne teilen wir sie auch hier und bedanken uns damit auch bei unseren Partnern der missio-Diözesanstelle im Bistum Hildesheim und dem evangelisch-lutherischen Missionswerk in Niedersachsen (ELM). 

 

Ein ökumenischer Studientag in Hannover zur Zukunft der Kirche in einer urbanisierten und globalisierten Welt  

Hannover. – Martin Tenge ist überzeugt: Nicht Volkskirche in ihren Strukturen zu erhalten, sondern Kirche für die Stadt zu sein – das sei der Auftrag. Der katholische Probst aus Hannover war als Beobachter Teilnehmer eines Studientages zum Thema „Church in the City“,  zu dem die missio-Diözesanstelle im Bistum Hildesheim, das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) und die ökumenische Bewegung Kirche² nach Hannover eingeladen hatten.

Kaum sinnfälliger der Veranstaltungsort: das Gelände des ehemaligen städtischen Schlachthofes – seit 2007 Heimat des „International Gospel  Center“, einer Gemeinde, in der viele Menschen mit Migrationsgeschichte gemeinsam Gottesdienste feiern und Gemeindesein gestalten. Kirche in der Stadt zu entwickeln mit den Mitteln und Menschen, die man vorfindet – hier fand sich der passende Rahmen, um über die Zukunft kirchlicher Arbeit in einer zunehmend globalisierten und urbanisierten Lebenswirklichkeit der Menschen nachzudenken.    

„Es muss immer um eine Kirche im Werden gehen“, sagte Dr. Margit Eckolt angesichts der Dynamik in den Städten. Die Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Universität Osnabrück betonte in ihrem Eröffnungsvortrag: Die Marktplätze und Treffpunkte wandelten sich, Lebensräume entstünden und veränderten sich rasant,  darum müsse Kirche  diese Veränderungen aufnehmen und sich selber auch dadurch verändern lassen. Auf der Straße zu sein und hinzuhören, das sei die Herausforderung, vor der Kirchen weltweit stünden, um dabei mit den Menschen die befreiende, stärkende und ermutigende Botschaft des Evangeliums in den unterschiedlichen Kontexten zu entdecken.

Wie wichtig es sei, gerade dafür Menschen zu gewinnen und Netzwerke zu schaffen, das betonte Pastorin Dr. Sandra Bils von Kirche², einem  ökumenischen Projekt von katholischer und evangelischer Kirche in Niedersachsen. Sie wies darauf hin, dass es immer ein Miteinander von neuen Formen und vertrauten Wegen geben müsse.

Der von den Philippinen stammende Pater Simon Boiser schlug darüber hinaus den Bogen zu den Herausforderungen einer zunehmend zusammenwachsenden Welt. Christinnen und Christen mit internationalen Hintergründen fänden sich überall auf der Welt zu Gemeinden zusammen, pflegten Vertrautes aus ihren Herkunftsländern, suchten aber gleichzeitig Wege in die neue Gesellschaft, so Katholik Boiser, der in Hamburg als Seelsorger für die dort lebenden Filipinos tätig ist. Wie man so gemeinsam Kirche werden lassen könne, werde von den Kontexten und Menschen abhängen, die das gestalten und von den Herausforderungen, vor die sie gestellt seien.

Was das im Einzelnen bedeutet, konnten die Teilnehmenden in einem so genannten Laboratorium der Gegenwart vertiefen: Workshops, die unter Überschriften wie „Kirche für die Stadt – Beispiele und Erfahrungen in Südafrika“, „Kneipe-Chaos-Charisma – Lokale Kirchenentwicklung in der Stadt“, „Transkulturell und stadtaffin – Gemeinde im 21. Jahrhundert“ oder „Gemeinsam leben – Leben mit Geflüchteten“  angeboten wurden.

Auch wenn die Mauern in den Städten immer höher und fester gezogen würden, müssten sie in unseren Köpfen und Herzen aufgemacht werden, um das Gegenüber wirklich ernst nehmen zu können, resümierten Martin Tenge und sein evangelischer Kollege und Hannoveraner Superintendent Thomas Höflich. In ihrer Rolle als Tagungsbeobachter betonten sie, dass viele neue Wege ausprobiert und gegangen werden müssten – ganz unterschiedlich und vielfältig, wie eben die Städte und auch Kirchen seien: Immer im Werden. Dass die Mitgliederzahl beider Kirchen in Hannover unter 50 Prozent gerutscht sind, schreckte beide Kirchenleitenden dabei nicht.

„Aus meiner Sicht war das ein sehr gelungener Tag, der verschiedene Perspektiven und Phänomene zusammengebracht hat und das in vor allem auch ökumenischer, internationaler, aber auch interkultureller  Weite“, bilanzierte Pastorin Inga Göbert, Leiterin der Abteilung Gemeinde weltweit beim Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen und Mitglied des Vorbereitungsteams. „Es war eine lebendige Atmosphäre in für viele ungewohnter Umgebung.“ Dieser besondere Ort habe zu einem bereichernden Austausch unter den Teilnehmenden inspiriert, so Göbert. Diese hätten verschiedene Perspektiven der Kirchenentwicklung von sich aus eingebracht, ob City-Kirchenarbeit, ehrenamtliches Engagement im Stadtkloster oder Jugendkirche etc. 

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