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Der schmale Grat

  • Veröffentlicht am: 26 October 2016
  • AutorIn: Maria Herrmann

Der schmale Grat zwischen Erfolg und Scheitern eines Projekts wird einem in einer besonderen Weise bewusst, wenn viel Herzblut in der Sache steckt. Mit der w@nder Konferenz machen wir seit paar Wochen eine dieser Erfahrungen:

Im Vorfeld der Veröffentlichung der Veranstaltung standen Fragen im Raum wie die, ob wir mit dem Thema der Konferenz überhaupt etwas ansprechen, das andere auch betrifft, angeht, interessiert. Ob wir da nicht zu sehr von unserer eigenen Biographie kommen. Ob das eine Idee ist, die zum falschen Zeitpunkt kommt in den Ungleichzeitigkeit sich verändernder Volkskirchen.

Als wir damit begonnen haben, über Facebook und Twitter, aber auch hier im Blog und bei Workshops und Vorträgen von unserer Idee zu erzählen, veränderten sich jedoch unsere Fragen.

Die ersten Rückmeldungen waren nicht in der Fülle überwältigend, sondern zunächst in der Intensität: Mit dem Skizzieren unserer Grundidee hätten wir zum ersten Mal Worte für ein Gefühl vermittelt, das schon lange beschäftigt und mit den wenigen Sätzen zur Vorstellung der Konferenz ein »Lebensthema« angesprochen.

Dies machte uns sehr schnell bewusst, dass sich der Erfolg unseres Wanderns auf dem schmalen Grat des Gelingens unserer Konferenz nicht nach ausverkauften Tickets, Livestream-Klicks, »Keynotes mit Impact« oder Teilnehmendenzahlen messen lassen würde.

Wir müssen uns auf dem Bergrücken der Vorbereitung eine vielleicht sogar grundlegendere Frage stellen, als die nach der Relevanz, nämlich: Wie gestaltet man einen Tabu-Bruch? Wie gehen wir mit den Erwartungen der Teilnehmenden und Akteure um? Wie können wir das bisweilen und an einigen Stellen existentielle Thema der Fremdheit in der Kirche angemessen, sensibel und achtsam angehen? Und wie können wir im Vorfeld klar kommunizieren, was so eine Veranstaltung überhaupt »leisten« kann – und was sicherlich nicht.

Es kam doch wieder anders: Eigentlich wollte ich diesen Blogartikel schon vor Tagen veröffentlichen und dafür nutzen noch ein paar Dinge zur Konferenz zu erklären. Ihre Zeiten zum Beispiel: Dass wir am 14. Februar am späten Nachmittag beginnen und so auch am 15. Februar enden. (Nicht nur) weil im Vorfeld eine thematisch ähnlich angelegte Konferenz beim ZAP in Bochum stattfindet und somit auch deren Teilnehmende die Chance haben sich bei uns zu beteiligen. Und ich wollte auch von Dingen erzählen, die wir planen, damit sich mehr Leute überhaupt etwas vorstellen können und sich anmelden. Oder eben bewusst nicht anmelden. Mit jedem Tag veränderten sich Fragestellungen, Ideen zur Konferenz und eben auch die Anmeldezahlen zur Veranstaltung.

Seit vergangenen Freitag sind wir nun ausverkauft.
Alle Plätze für w@nder. Eine Konferenz für Pioniere sind belegt.

Und das, ohne genaue Details online gestellt zu haben. Ein bisschen erinnert uns das alles an die Zeit vor dem Kongress 2013, der unserer Bewegung einen Namen gab. Auch hier waren wir sehr früh von der Resonanz überrascht worden. Nehmen wir das als hoffnungsvolles Zeichen und Motivation.

Es ergibt leider auch keinen Sinn hier in Aussicht zu stellen, dass sich das Kontingent der Tickets vergrößert. Die Location hat ihre natürlichen (und rechtlichen) Grenzen und weil sie ein inhaltlicher Teil unseres Konzeptes ist, wir mit ihr. Alleine das Eintragen in eine Liste für eventuelle Nachrücker ist noch möglich.

Aber: Die Frage nach der Relevanz hat sich damit scheinbar erübrigt. Es ist was dran an der Rede vom gift of not fitting in. Es sind nicht nur unsere Biographien. Und es gibt ein Tabu von der Fremde in der eigenen Kirche.

Ich nehme dankbar wahr, dass jetzt eine Zeit gekommen ist, darüber ins Gespräch zu kommen. Ich bin mir sicher, dass uns das Thema weiterhin beschäftigen kann (!). Ich hoffe, dass es ein Anfang ist. Und ich würde mich freuen, wenn sich an anderen Orten in anderen Formen andere Menschen in diesen Diskurs auch eintragen. Ich kann an dieser Stelle nur andeuten, dass wir ebenfalls an weiteren Formen des Diskurses arbeiten.

Bleiben wir im Gespräch oder viel mehr noch: Fangen wir damit an!

Orientierung: 

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