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Auf nackten Sohlen

  • Veröffentlicht am: 14 July 2017
  • AutorIn: Maria Herrmann

Da stand ich nun – barfuss, ziemlich von den Socken und vor mir eine Menge Menschen, die ein paar kluge, letzte Worte erwarteten. Es war ein ungewöhnliches Gefühl am Ende unser W@nder-Konferenz im Februar: 100 Teilnehmende waren unserer Einladung als Veranstalterinnen gefolgt, und vor diesen hatten wir nun das Schlusswort. Die Geschichten der einzelnen Menschen, die da zusammengekommen waren, hatten mich sprichwörtlich die Schuhe ausziehen lassen. Die kleine Kneipp-Liturgie tat ihr übriges, und so standen wir auf nackten Sohlen am Mikrophon. Zeigten sichtbar mehr Haut als üblich – und mehr Verwundbarkeit.

Wir hatten ehrliche 24 Stunden miteinander verbracht, viel voneinander gelernt, obwohl und gerade weil viele unterschiedliche Erfahrungen zusammenkamen. Einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltung finden Sie hier, eine Social-Media-Dokumentation an dieser Stelle. Doch die Frage nach dem Fremd sein in der Kirche, die den Kern der Konferenz ausmachte, erzeugte und erzeugt bis heute – auch bei Kirchenleitenden – eine heilige Unruhe, die sich nur schwer fassen lässt. Schon der als Save-the-Date gemeinte Blogartikel hatte viele Rückmeldungen erzeugt, die Veranstaltung selbst war binnen weniger Wochen ausverkauft. Im Kern der Aussage verwandte Blog-Artikel mehren sich an anderen Orten: »Ich gehe nicht gerne in den Gottesdienst« und »Pasti oder Antipasti?«.

Parallel zu den Vorbereitungen der Konferenz haben wir dann auch an einem Buch gearbeitet, das die Fremde in der Kirche als Charisma bearbeiten sollte. Heute Morgen habe ich noch einmal nach den Anschreiben gesucht, mit denen ich auf die Autorinnen und Autoren zugegangen bin – es ist ziemlich genau ein Jahr her, doch die Fragestellung ist eine fundamentale – sie wird uns noch eine ganze Weile begleiten: Wie kommt das Neue und Erneuernde in das System Kirche, und wie gehen wir damit um, wenn es vielleicht schon da ist – nur ganz anders, als wir es uns immer vorstellen? Wenn gerade in denen eine heilige Ungeduld zu Tage tritt, die an allen Ecken und Enden der Kirche (aus guten Gründen) anstoßen. Wenn die Rede von der mission-shaped church, von der Kirche die sich von ihrer Sendung her formt mit diesem »gift of not fitting in« eine Grunddynamik vorzuweisen hat? Wenn die Fremde in der Kirche eine missionale Ahnung ist?

Nun erscheint in der nächsten Woche unser Buch. Zusammen mit Sandra Bils verantworte ich die Herausgeberschaft. Sie können es zum Beispiel über die Seite des Verlags oder bei Ihrem Buchhändler vor Ort unter der ISBN [978-3-429-04403-9] bestellen. »Vom Wandern und Wundern« ist gewissermaßen eine (nicht »die«!) Essenz unserer Arbeit bei Kirche² – eine ökumenischen Bewegung der letzten 4 Jahre. Unzählige Kilometer auf Bahnstrecken, unzählige Tassen Kaffee und noch mehr ehrliche und barfüssige Gesprächs-Augenblicke kommen darin zusammen. Zwölf Aufsätze von 13 Autorinnen und Autoren und ein Nachwort von Christina aus der Au erzählen von dem Gefühl der Fremde und davon, wie sie schon heute erleben, dass sich darin das Neue und Zukünftige der Kirche zeigen will. Es gäbe noch viele weitere Geschichten zu erzählen, vom Wandern und Wundern, und natürlich auch darüber hinaus. Doch für den Moment ist es das, was wir in Bar-Herzigkeit teilen können.

 

Orientierung: 

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